• Ferdinand Uth

Ein Einblick in Energie-Zertifikate für Gebäude

Aktualisiert: 19. Aug 2019


Energieeffizienz-Zertifikate sind bei Gebäuden noch eine recht junge Erscheinung. Während die Förderung von energieeffizienten Gebäuden bereits Ende der 70er Jahre begann, wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts ein ganzheitliches Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von Gebäuden entwickelt.


Zum ersten Mal wurden in Großbritannien im Jahr 2002 Bewertungskriterien zusammengestellt, die Gebäude über die Gesetzgebung hinaus umfassend bewerten. Die sogenannte Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM) zielte vor allem darauf ab, ein international anerkanntes Zertifikat für nachhaltiges Bauen kommerziell genutzter Gebäude zu etablieren. Die Kriterien sahen wie folgt aus:


Management – 12 %

Gesundheit und Komfort – 15 %

Energie – 19 %

Wasser – 6 %

Materialien – 12,5 %

Abfall – 7,5 %

Landverbrauch und Ökologie – 10 %

Emissionen – 10 %

Transport – 8 %

Innovation – 10 %


So steht Management für die Qualität des Projektmanagements und der Planung oder Gesundheit & Komfort für die Qualität und das Wohlbefinden der Nutzer im Innenraum. Insgesamt wurden 200.000 Gebäude nach BREEAM zertifiziert und über eine Million Gebäude registriert.



Nur zwei Jahre später zogen die Amerikaner nach und entwickelten das Leadership in Energy and Environmental Design (LEED)-Zertifikat nach eigenen Standards. Hier werden die Standards für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus hinweg bewertet. Je nachdem, wieviele Punkte das Gebäude erreicht, werden die Zertifikate Certified Silver, Gold und Platinum vergeben.

Bewertet werden nach den Kriterien:


Nachhaltige Standortentwicklung – 26 %

Energie und Luftqualität – 35 %

Material und Ressourcen – 14 %

Innenraumklima – 15 %

Design und Innovationen – 6 %

Regionale Priorität – 4 %


So wird unter dem besonders stark hervorgehobenen Merkmal Energie und Luftqualität vor allem der Energieverbrauch und die Energieeffizienz begutachtet. Ein weiteres spannendes Kriterium ist Design und Innovationen, was zwar nicht besonders viel Einfluss hat, aber dennoch vielleicht als Incentive für innovative oder kreative Lösungen dienen kann. Nach LEED wurden bislang 25.000 Gebäude zertifiziert und über 100.000 registriert.


In Deutschland hat sich erst 2008 ein Zertifikat etabliert. Die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) vergibt dieses an Gebäude, die rundum nachhaltig, ressourcenschützend und effizient gebaut werden. Das Zertifikat wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung entwickelt und berücksichtigt nicht nur den Bauprozess selbst, sondern auch Planung und Nutzung.


Das DGNB-Zertifikat richtet sich vor allem an Eigentümer und Nutzer des Gebäudes und kann als wertschöpfender Faktor betrachtet werden. Dies kommt auch der Bauindustrie in Europa zugute, da diese sich qualitativ und in Nachhaltigkeitsfragen oftmals von der ausländischen Konkurrenz abhebt. Stufenartig wird je nach Zielerreichung des Bauvorhabens Bronze, Silber oder Gold vergeben – die Bewertung erfolgt nach den Kriterien:


Ökologische Qualität – 22,5 %

Ökonomische Qualität – 22,5 %

Soziokulturelle und funktionale Qualität – 22,5 %

Technische Qualität – 22,5 %

Prozessqualität – 10 %


Quelle: DGNB

Dabei bewertet die ökologische Qualität die Auswirkungen der eingesetzten Materialien, zum Beispiel hinsichtlich der Treibhausgase, die durch sie entstehen, die ökonomische Qualität bewertet, wie viel des Wertes erhalten bleibt. Die funktionale Qualität bezieht sich auf zum Beispiel die thermischen Eigenschaften oder die Anzahl der Fahrradstellplätze. Da die Bewertung auch im Betrieb erfolgt, fließt auch der reale Energieverbrauch des Gebäudes mit in die Bewertung ein, was eine besonders wahrheitsgetreue Bewertung gewährleistet.


Die Bewertung gewichtet zwischen ökonomischer, ökologischer, technischer und soziokultureller Qualität gleich, wie sich an den Prozentwerten am Gesamturteil sehen lässt. Dies steht im Gegensatz zu BREEAM und LEED, die sich eher auf die Nachhaltigkeitsaspekte fokussieren. Mit 539 Zertifizierungen und 308 Registrierungen liegt das DGNB-Zertifikat jedoch zahlenmäßig weit hinter den ausländischen Äquivalenten.


Alle Zertifizierungen haben das Ziel, eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Gebäuden herzustellen und eine Art Anreiz für Effizienz zu bieten – auch wenn die Ausgestaltung von Zertifikat zu Zertifikat leicht unterschiedlich ist bzw. andere Schwerpunkte setzt.

Grundsätzlich kommt es aber auf die ressourcenschonende Bauweise, eine gesunde Atmosphäre im Gebäude, leichte und sparsame Instandhaltung und insgesamt einen möglichst effizienten Lebenszyklus zu schaffen.

Die Energieeffizienz eines Gebäudes bezieht sich vor allem auf den Verbrauch für Heizung und Kühlung. So kann eine energieeffiziente Bauweise mit Wärmedämmung, einem Heiz-/Kühlsystem mit Betonkernaktivierung, dem Einsatz von erneuerbaren Energien wie Solarplatten und einer Steuerung des Gebäudes mithilfe eines Energiemanagement-Systems dazu beitragen, zwei Drittel des Verbrauchs für Wärme und Kühlung einzusparen.


Die Gebäudezertifikate prüfen diese Umstände gründlich und helfen somit, Eigentümern, Käufern oder Mietern einen Mehrwert zu bieten – und aufzuzeigen. 
Neubauten sind jedoch nur ein kleiner Teil der Gebäude in Deutschland. Was sich in Bestandbauten machen lässt und wie Besitzer, aber auch Mieter ohne große Sanierungen eine Menge Energie sparen können, finden Sie hier.



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