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  • Ferdinand Uth

Städteplanung in zukunftsfähig (1): Grüne Dächer und die Sponge City

Aktualisiert: 19. Aug 2019


Jeder von uns hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Städte der Zukunft aussehen: Eine Skyline mit futuristischen Glasgebäuden, viele Grünflächen, geräuschlose Autos und Luft die so sauber ist, dass man an sonnigen Tagen kilometerweit schauen kann. Allerdings stellt man sich viel zu selten die Frage: Was muss eigentlich alles passieren, damit es dazu kommt? Denn im Gegensatz zu Computerspielen lassen sich in der Realität Gebäude nur schlecht von einem 70er Jahre Plattenbau zu einem super modernen, energieeffizienten Wolkenkratzer mit Glasfassade umbauen. Deshalb werden wir uns in dieser Artikelreihe mit zukunftsfähiger Städteplanung und kreativen, neuartigen und nachhaltigen Konzepten, Projekten und Strukturen beschäftigen, die unsere Vorstellungen einer perfekten Stadt Wirklichkeit werden lassen.


Mit dem Klimawandel werden die Sommer immer wärmer, es regnet zeitweise weniger und natürliches Trinkwasser wird knapper. In Städten verstärken sich diese Umstände nochmals, da Gestein Wärme speichert, Regenwasser in den unterirdischen Kanalisationen verschwindet und es oft an Begrünung fehlt. Dadurch müssen Städte vermehrt künstlich gekühlt werden und es kann zu Überschwemmungen kommen, wenn zu viel Regen auf einmal fällt. Um all dem entgegenzuwirken, haben der Berliner Architekt Carlo Becker und Regenwasserexperte Heiko Sieker ein Konzept entworfen, das erstmal seltsam anmutet: Sponge City, oder zu Deutsch: Die Schwammstadt.


Die Idee dahinter ist simpel: Statt einer Kanalisation werden Dächer und Fassaden begrünt und Tiefgaragen sowie Flächen zwischen den Gebäuden mit tieferen Erdschichten bedeckt, sodass sämtliches Regenwasser absorbiert wird. Wenn es dann sehr sonnig und warm wird, verdunstet das Wasser und kühlt dabei die Luft in der Umgebung. Inspiriert ist das Konzept von Mechanismen aus der Natur, beispielsweise Moos speichert Wasser auf diese Weise. Damit kommt die Siedlung dem natürlichen Regenwasserzyklus näher, als man es in Städten für möglich halten würde.


Siedlung in Rummelsburg nach dem Sponge City Konzept – die leicht abschüssigen Grasflächen neben der Straße sind Versickerungsmulden

Eine Umsetzung dieses Konzeptes wurde im Ostberliner Bezirk Rummelsburg vor 20 Jahren realisiert. Die Siedlung kommt weitgehend ohne Abflusssystem aus: Das Regenwasser, das nicht direkt von den grünen Dächern und Pflanzen absorbiert wird, versickert in den ca. 80cm tiefen Mulden, welche überall zwischen den Gebäuden und über den Tiefgaragen angelegt sind. Es entsteht eine künstliche Klimaanlage: Im Sommer ist es merklich angenehmer dort.


Der Berliner Senat hat schon vor Jahren einen Plan ("StEP Klima KONKRET” verfasst, nach dem mehr Dächer begrünt und umfassende Maßnahmen gegen Hitzewellen und Überschwemmungen unternommen werden sollten. Doch die Umsetzung gestaltet sich weitaus schwieriger als gedacht, der Prozess ist sehr schleppend. Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung hat sich damit beschäftigt, warum es so schwierig ist, die Schwammstadt zu realisieren und die zentralen Probleme der Umsetzung herausgearbeitet.


Die bereits hohe Baudichte in vielen Städten und die begrenzte Versicherungsfähigkeit der Mulden steckt natürliche Grenzen, da es unmöglich ist, im Nachhinein genügend Platz für die Begrünung zu schaffen. Darüber konkurriert das Konzept mit der Stadtplanung, da die breiten Versickerungsflächen und begrünten Straßen mehr Platz benötigen, was Wege verlängert. Darüber hinaus ergeben sich juristische Schwierigkeiten durch das öffentliche Entsorgungsmonopol und daraus, dass Werte für Grundwasserqualität eingehalten werden müssen, auch in den Mulden.


Doch diese Schwierigkeiten ändern nichts an der Situation, dass ein Wandel dringend notwendig ist. Deutschland hat die Mittel und Technik, um auf den Klimawandel zu reagieren und die Voraussetzungen zu schaffen, um eine nachhaltige und gesunde Zukunft der Stadt Wirklichkeit werden zu lassen.

Es sollten weitere Projekte wie Rummelsburg in Angriff genommen werden und unabhängig von den Versickerungsmulden sollten mehr Dächer, Fassaden und Wege begrünt werden. Regenwasser wird mehr und mehr eine wertvolle Ressource – und es einfach aus den Städten abzuleiten, wo es am dringendsten gebraucht wird, kann nicht der richtige Weg sein.


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